Am
Fuße des Mont Ventoux in der Provence saß irgendwann um 1370 der italienische
Philosoph Petrarca und sah
sehnsüchtig auf den entfernten Berggiganten. Dort wollte er hinauf, unbedingt,
gegen jede menschliche Vernunft.
Am
Strande des Meeres sitzen H&H
und schauen sehnsüchtig hinauf auf den 2450 m hohen Psiloritis, den höchsten
Berg Kretas. Dort wollen sie hinauf, ohne Aufstiegshilfen, gegen die Einwände
der alternden Körper.
Ob
daraus etwas wird? Vielleicht!
Kalamaki Beach
Petrarca
hat es ja schließlich auch geschafft. Allerdings brauchte er - nach
ausgedehnter Akklimatisation, die H&H sich auf Grund des knappen Zeitbudgets
nicht leisten können - für die alpine
Erstbegehung des ca. 1700 m hohen Berges fast einen Monat.
Da
sollten H&H wohl schon wieder daheim sein.
Der sensible
Witz
Lisa
Kreta, die Hilfreiche, haben H&H vor 10 Tagen kennen gelernt. Sie hat das
Gepäck der beiden einige Km mit ihrem Kleinwagen transportiert. Heute sitzen
H&H mit Lisa und deren deutschen Freunden in einem griechisch-deutschen Restaurant
in Sivas. Das Essen ist abgeräumt, zur Unterhaltung wird Raki serviert.
Hermann Klaus Angelika Lisa Heinz in Sivas
Heinz
begutachtet Lisas Spiegelreflexkamera, die ein Einstellungsproblem hat. Heinz
nach längerer Untersuchung fachmännisch in die gespannte Runde: „Dieser Kamera
fehlen genau zwei Steine“.
Verständnisloses
Schweigen. „Zwei Steine?“, fragt Klaus aus Hannover.
Heinz:
„ Ja, einer zum Drunterlegen und einer zum Draufschlagen“. Kurzes Schweigen, dann
dröhnendes, verständnisvolles Lachen.
Klaus
nach Luft schnappend: „ Der Urlaub hat sich gelohnt. Zwei Steine! Wirklich
gut.“ Lisa packt ihre Kamera ein. Sie wird sich wohl einen neuen Apparat kaufen
müssen, der einfacher zu bedienen ist, denkt Hermann.
30. Mai – 1. Juni Von Lendas ins
Landesinnere nach Sivas
Wir haben auch wieder Verbindung zur Außenwelt, sprich Internet
Auf zu neuen Taten
Hermann scheint wieder auf
der Höhe zu sein.
Beim Schach hat es jedenfalls geklappt...
Auf alle Fälle wollten wir endlich
weiter. Nun galt es zu überlegen, welche Route wir nehmen sollten. Da der Weg
nach Kali Limenes öd und nur von Gewächshäusern gesäumt ist, beschlossen wir,
diesen Weg mittels eines Vehikels zu überwinden.
„Connections“ immer von Nutzen
Am Vortag hatten wir in
unserem Lokal eine Bedienerin namens Irene aus Südtirol kennengelernt, die in
der Gegend von Lendas mit einem Kölner verheiratet ist. Der klagten wir unser
„Leid“. Wenn´s sein muss, können wir wirklich arm und hilflos dreinschauen.
Alles andere ergab sich von
selbst: Wir konnten in deren Haus schlafen und Irenes Mann Aron hat uns dann
noch ein paar Km mit seinen Jeep weitergeführt, dass wir am 31. Mai noch zu Fuß
nach Sivas gelangen konnten. Es war heiß, deswegen war es sehr anstrengend.
Noch ein paar Worte zu obigem
Aron, dem Alleskönner und -wisser: Der hat sich griechisch orthodox taufen lassen,
um seine Irene auch kirchlich heiraten zu können.
Laut den Bildern muss es ein
lustiges Fest gewesen sein. Sie haben ein sehr schönes Haus gebaut, das so ca.
100 m über dem Meer liegt, und den Besuchern eine wunderbare Fernsicht bietet.
Mit Aron, jetzt heißt er
natürlich Antonios, besuchten wir noch ein Kloster, namens Agios Apezanon, dem
Hl. Antonius geweiht.
Der Pope macht eine Pause, bevor er mit seiner Belehrung fortfährt..
Ein einziger Mönch lebt da
noch, sein Name Gabriel, er hat uns auf Wasser und Kekse eingeladen.
Unser Aron, sonst Wortführer,
horchte dem Popen andächtig, ja beinahe etwas unterwürfig zu, als dieser zu
einer größeren Belehrung ausholte.
Nach ca. 10 Minuten waren wir
wieder entlassen und nach wenigen Metern gingen wir erstmals wieder zu Fuß.
Jetzt geht die Schlepperei
wieder los
Der Rucksack drückte, als
wäre es wieder das erste Mal. Für Hermann wurde er um etliches schwerer, weil
der Wirt in Dytiko seinem alten Freund ein Liter Olivenöl und ebenso viel Raki
mitgegeben hat.
Das hilft auf allen Fällen
der Kondition, wenn man solche Dinge durch die Gegend schleppen darf.
Olivenöl, Raki, nochmals Raki, alles vom Feinsten, ein wenig zusätzliches Gewicht..
Nach ca. 3 ½ Stunden Wanderns
unter großer Hitze kamen wir nach Sivas, nicht ohne vorher einen Mittagsschlaf
unter einem schattigen Baum gemacht zu haben.
Der Blick Richtung Norden:
die Messara Ebene, Richtung Westen: der Blick übers Meer nach Agia Galini,
einfach wundervoll.
Man möchte doch wissen, wie es weitergeht..
Dann endlich unser heutiges
Endziel: Sivas, ein langgezogenes Dorf, mit wenig Übernachtungsmöglichkeiten.
Aber gleich 4 Tavernen laden
zum Sitzen, Essen und Genießen ein.
Beim Abendessen saßen am
Nachbartisch Mutter und Tochter aus Leipzig. An sich nicht so erwähnenswert,
aber sie kamen extra hierher, um am großen Revivalfestival in Matala
teilzunehmen, das ab Samstag bis Montag stattfindet. Mit Hippiegewändern und
so.
Sie ist Jahrgang 1960, aber
die Augen strahlten um die Wette, wenn auch nur das Wort Matala und Festival fiel.
Es gibt sie also noch, die
„Junggebliebenen“..
Die Bucht von Matala..
Zwei Oldies in Matala..
Heute Freitag beschlossen
wir, es ruhig anzugehen. Wir wanderten nach Pitsidia, und dann auf den Strand
nach Komos.
In Pitsidia wollten wir Geld
vom Automaten gewinnen, leider umsonst, es war nämlich keiner da.
Also auf nach Matala.
Ca. 4 km über schmale Straßen
und Wege, diesmal Gott sei Dank mit leichtem Gepäck.
Matala, der Ort der Hippies
Matala zieht einen noch immer
in seinen Bann.
Die Bucht, zwar mit
Sonnenschirmen übersät, ist immer noch wundervoll, umgeben von den Höhlen,
einfach ein Blick, an dem man sich nicht sattsehen kann und man sich an Tage
erinnert, die viele Jahre zurückliegen.
Das Festival, wirft Schatten
voraus, es gibt viele Verkaufsstände, die Hauptstraße ist mit Bodenmalereien voll.
Vieles erinnert an die Hippiezeit, und ein paar von dieser Zeit waren schon für
das Fest im Anmarsch. Lange Haare, verrückte Kleider, ebenso alt wie wir.
Wir fühlen uns natürlich
deutlich jünger.
Letztendlich fahren wir mit dem
Taxi die 12 Km zurück nach Sivas, da uns der Weg doch ein wenig zu weit schien.
Auf alle Fälle ein toller, erlebnisreicher
Tag.
Commentarii apo to Hermann
(Christine, danke für die
Korrektur)
Aussteiger
Er arbeitet.
Pünktlich, genau,
gewissenhaft. Um 10 ist er am Arbeitsplatz, dem kleinen Tisch im Hintergrund
des Restaurants, Blick Richtung Meer.
Er setzt sich, zieht eine
Thermoshülle aus der Tasche, legt sie auf den Tisch, steht auf, gesorgt sich in
der Ausschank die erste Portion des zu bearbeitendes Materials, steckt dieses
fein säuberlich in die Thermoshülle, betrachtet wohlgefällig sein Werk, sucht
nach Streichhölzern, findet sie nach einiger Zeit, entzündet damit die vorher
gedrehte Zigarette, schaut noch einmal konzentriert auf die vor ihm liegende
Aufgabe, führt entschlossen die Bierflasche, die in der Thermoshülle steckt, an
seine Lippen und nimmt einen kleinen Schluck. Jetzt atmet er erleichtert auf:
Der erste Schritt ist getan, jetzt wird die Arbeit leichter von der Hand gehen,
das Bier wird leichter schlüpfen, Stunde um Stunde, Flasche um Flasche, Tag um
Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr.
Ob er sich seine Arbeit so
hart vorgestellt hat, als er Österreich den Rücken kehrte, um auf Kreta zu
leben?
Commentarii apo to Hermann 2
Zwei
Mädchen aus Sachsen
A u A aus Leipzig sind happy
in Matala. Mutter und Tochter 52 und 26. Vor einem Jahr hat die Mutter das
erste Mal davon gehört. Vom Hippie Revival Fest in Matala. Sie hat Himmel und
Hölle in Bewegung gesetzt, um hierher zu kommen und jetzt sind sie da, wo die
Hippies gelebt haben, in den Höhlen von Matala.
Und morgen werden sie in die
Klamotten der 60-er Jahre schlüpfen, werden tanzen, singen, feiern bis in den
frühen Morgen, wenn sie wieder zum Flughafen müssen, heim in den deutschen
Osten.
Mit leuchtenden Augen
erzählen sie ihre Abenteuer. Sie kichern, lachen, trinken.
Ja, morgen werden sie
nachholen, was der Mutter in ihrer Jugend verboten war. Und sie wundern sich
über H u H, auf die ihre Begeisterung nicht und nicht überspringen will.
Jetzt noch ein paar Eindrücke..
Einfach ein wilde Gegend..
Der Psiloritis ruft..
Diese Bild sollte man unseren Benjamini Ficii zeigen...